15.11.2012: Nazi Gedenkkundgebungen am 18.11.2012 und 25.11.2012 in Bretzenheim geplant.

Die selbsternannte Wählervereinigung „Aufbruch Deutschland“ um Wilhelm
Herbi aus Niederotterbach mobilisiert zum 25.11.2012 nach Bretzenheim
in der Nähe von Bad Kreuznach. Das sog. „Feld des Jammers“ dient
Neonazis jährlich als Pilgerstätte für Trauerzeremonien, bei denen den
Toten der Rheinwiesenlager gedacht werden soll.

Die NPD möchte schon eine Woche vorher vor Ort sein. So wird für
Sonntag, dem 18.11.2012 für 12:00 mobilisiert. Als Redner_innen sind
bereits der Pressesprecher Safet Babic, Ricarda Riefling aus dem
Parteivorstand, der Vorsitzende des KV Westpfalz Markus Walter und die
Landesvorsitzende Dörthe Armstroff angekündigt.

Der ehemalige NPD-Landesvorsitzende Herbi scheint sich mit der Partei
überworfen zu haben. Die extreme Rechte in Rheinland-Pfalz schafft es
nicht ihre Streitigkeiten beizulegen: Es wird sich lieber ausgewichen.
Im letzten Jahr wurde Bretzenheim gleich zweimal Ziel von
trauerwütigen Nazis.

Am 08.05. letzten Jahres versuchten Nazis aus NPD, JN und ?Freien
Kräften? den Jahrestag der Befreiung von Nazi-Deutschland zu einer
Trauerveranstaltung umzudeuten.

Am 20.11. gab es gleich drei Veranstaltungen: Eine bürgerliche
Inititative, angeführt von Kurt Beck, wollte neben den Nazis ihre
Trauer über die Gefallenen zum Ausdruck bringen. Dann meldete die NPD
um Ingo Helge getrennt von Aufbruch Deutschland eine
Gedenkveranstaltung an. So musste die NPD der bürgerlichen
Gedenkveranstaltung weichen, die dann wieder Platz machte für die
Veranstaltung von Wilhelm Herbi.

Die Rheinwiesenlagerkampagne ist seit Jahren die regelmäßigste und
erfolgreichste Nazimobilisierung in Rheinland-Pfalz. Jedes Jahr kommen
Nazis in dreistelliger Zahl nach Remagen, um den gefallenen deutschen
Soldaten zu huldigen und ihre Version der Geschichte zu propagieren.

Dabei handelt es sich um Geschichtsrevisionismus pur. Die Zahlen der
in den Gefangenenlagern Umgekommenen werden um ein Vielfaches in die
Höhe gelogen, die Alliierten zu Verbrechern stilisiert, die Nazis zu
unschuldigen Opfern verklärt. Nicht selten werden in Nazikreisen die
Rheinwiesenlagern mit den Konzentrationslagern des Dritten Reiches
gleichgesetzt.

Der Zweck dieser Kampagne ist einfach: Die letzten größeren
Naziveranstaltungen wie die Großdemo in Dresden oder der sog.
Antikriegstag in Dortmund werden immer schwieriger durchzusetzen. Die
antifaschistischen Gegenproteste setzen den Nazis unüberwindbare
Hürden entgegen. Also müssen neue Veranstaltungen geschaffen werden,
auf die die Nazi sich stürzen können. Aktionismus und Eventcharakter
spielen eine wichtige Rolle, um gerade junge Neonazis an die Szene zu
binden.

Es ist davon auszugehen, dass der Termin am 25.11. gezielt gewählt
wurde. Nämlich einen Tag nach der Demonstration in Remagen. Vielleicht
erhofft sich Herbi davon ja eine regere Teilnahme als in den letzten
Jahren. Auf dem großen „Feld des Jammers“ war nämlich der traurigste
Anblick die kleine Nazigruppe selbst.